LP Review: Peter Coretto - Angst kostet Freiheit (2018)

Letztens habe ich an meinem Geburtstag auf dem Konzert von Egotronic die Münchner Punk Band Peter Coretto kennengelernt. Das sympathische Quartett spielt eine harmonische Mischung aus intelligentem und nachdenklichen Deutschpunk und der einen oder anderen Prise Harcore, Post-Punk und Grunge.
Leider lässt sich nur wenig über das bisherige Schaffen der Band recherchieren, da die Homepage offline zu sein scheint. Damit bringt mir auch der Downloadcode für die Platte aktuell nicht so viel. Über Away from Life konnte ich jedoch herausfinden, dass es sich bei "Angst kostet Freiheit" um die zweite Veröffentlichung von Peter Coretto in ihrer inzwischen mehr als volljährigen Bandgeschichte handelt.
Auf den elf Tracks, die knapp über eine halbe Stunde rotieren, spielen Peter Coretto melodischen aber harten Punk Rock mit vielen Breaks und einer düsteren Stimmung. Hier und da könnte man Anleihen des Depro Punk raushören. Generell ist die Mischung aus Punk, Hardcore, abgehackten Beats und einer rauen, narrativen Stimmlage auch nicht ganz unähnlich den Münchnern von Marathonmann. Aber zu Vergleichen möchte und muss ich später noch einmal eingehen.
Am meisten punkten Peter Coretto auf "Angst kostet Freiheit" mit ihren Texten sowie deren Inhalten. Es geht ums Durchhalten, ums Nicht-Aufgeben, ums sich-gegenseitig-helfen, um die Zukunft in der modernen Welt, und sehr viel um die Realität, in der Faschismus wieder erstarkt.. Als einziger Gasttexter taucht der 1934 im KZ Oranienburg ermorderte Erich Mühsam auf, dessen Text 'Fanal' auf der A-Seite vertont wurde.
Dort lässt sich auch direkt auf die Haltung von Peter Coretto überleiten. Im zweiten Track 'Sie zündeln wieder' wird thematisiert, wie im kontemporären Jargon der Begriff der Meinungsfreiheit gerne mal etwas falsch ausgelegt wird. Die Band stellt klar, dass Seximus, Rassismus und Antisemitismus nicht als sogenannte Meinungen beschönigt werden können. Dem ist nicht hinzuzufügen.
"Angst kostet Freiheit" geht ohne Umschweife ins Ohr, lässt sich sowohl beim Tanz als auch im Sitzen gut mehrfach anhören, und macht Freude. Peter Coretto's zweites Album ist ein rundes Ding und ein schönes Album.
Leider gibt es da einen nicht zu umgehenden Kritikpunkt: Peter Coretto klingen irgendwie wie... Turbostaat, Marathonmann, Motormuschi, NEIN NEIN NEIN, Duesenjaeger, Patrick F. Patrick, Egozid,... Ich wünsche mir sehr, dass die Band in ihrem weiteren Schaffen mehr zu ihrem eigenen Stil findet, denn sie sind wirklich sympathisch, musikalisch, und machen sich sehr gut in meinem Plattenschrank.


Line Up:
Alexander Ross - Schlagzeug
Christian Bartl - Gitarre
Christoph Schnelle - Bass
Marco Engelhard - Gesang

Gastmusiker auf "Angst kostet Freiheit":
Torsun Burkhardt - Piano
Sebastian Feller - Backing Vocals

Peter Coretto Online:
Homepage (offline?)
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